Können Anführungszeichen den Sinn ändern?

Ich beantworte die Frage, ob Anführungszeichen den Sinn ändern können, direkt, die Antwort lautet: Ja. Vor einigen Tagen flatterte der aktuelle Meetup-Newsletter für Stuttgart auf meinen Bildschirm. „Interessante Veranstaltungen dabei?“, schaue ich fragend auf den Text, bis mein Blick an einer Zeile hängen bleibt. Dort wird ein „KOSTENLOSER“ Salsa-Schnupperkurs angeboten. Hmm …

Vorsicht beim Gebrauch von Anführungszeichen

Warum das Setzen von Anführungszeichen nicht immer sinnvoll ist

Hier gibt es gleich mehrere Baustellen, aber immer schön der Reihe nach. Ich beginne mit den Anführungszeichen und erläutere zunächst, warum das Setzen von Anführungszeichen nicht immer sinnvoll ist.

 

 

 

 

Wann setze ich Anführungszeichen?

Laut Duden gibt es im Deutschen zwei Möglichkeiten, Anführungszeichen zu setzen.

Bei wörtlicher Rede:

Anführungszeichen stehen vor und hinter wörtlich wiedergegebenen Äußerungen und Gedanken (direkter Rede) sowie wörtlich wiedergegebenen Textstellen (Zitaten) <§ 89>.

Und zur Hervorhebung:

Anführungszeichen können Wörter oder Textstücke einschließen, die hervorgehoben werden sollen <§ 94>.

Hier im Newsletter soll also etwas hervorgehoben werden. Aber mit welcher Absicht? Wieder hilft der Blick in den Duden:

Dazu gehören:

1. Wortteile, Wörter oder Textstücke (z. B. Sprichwörter, Äußerungen), über die man eine Aussage machen will;

2. ironische Hervorhebungen;

3. zitierte Überschriften, Werktitel (z. B. von Büchern, Filmen, Musikstücken), Namen von Zeitungen o. Ä.

Eine Aussage über „kostenlos“ wird nicht getroffen, und es handelt sich auch nicht um einen Buch- oder Musiktitel, folglich liegt eine ironische Hervorhebung vor.

Was bedeutet „kostenlos“ in Anführungszeichen?

Bei einer ironischen Hervorhebung wird der ursprüngliche Sinn des Textes ins Gegenteil gekehrt. Hier ein Beispiel: Wenn Sie lesen, dass jemand den Film sehr „lustig“ findet, dann heißt das, dass er den Film keineswegs zum Lachen findet. Schreibe ich also „kostenlos“ in Anführungszeichen, dann meint das, dass es sich eben nicht um ein kostenloses Angebot o. Ä. handelt. Das wollten die Anbieter des Kurses bestimmt nicht sagen. Übrigens, wenn man – gerade im Netz – ganze Begriffe in Großbuchstaben schreibt, dann hat dies eine Bedeutung, nämlich: schreien. Und auch hier vermute ich, dass die Kursanbieter ihr „KOSTENLOSES Angebot“ nicht wie Marktschreier laut ausrufen wollten.

Und noch etwas Typografisches

Ich sprach eingangs von mehreren Baustellen, deshalb möchte ich zusätzlich noch zwei Gedanken äußern.

  1. Die Typografie legt fest, wie Satzzeichen aussehen sollen. Wie im Deutschen die Anführungszeichen korrekt gesetzt werden, können Sie hier nachlesen.
  2. Der „Salsa Schnupperkurs“ muss gekoppelt werden, daraus wird also ein „Salsa-Schnupperkurs“. Das Koppeln von Wörtern ist ein weites Feld, lesen Sie mal rein.
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