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Den Rotstift immer griffbereit

11. Januar 2016/in Workflow mit Krönchen

Small Talk auf einer Party: „Und was machst du beruflich?“ – „Ich bin Lektorin.“ – „Ah, dann korrigierst du also Texte?“ – Am Blick meines Gegenübers kann ich sehen, dass er sich darunter nichts Konkretes vorstellen kann – außer dass es vermutlich etwas mit Rechtschreibung zu tun hat. Deshalb fange ich an zu erklären …

Was also macht eine Lektorin?

Eine Lektorin prüft und bearbeitet Texte, die zur Veröffentlichung vorgesehen sind. Dies können z. B. ganz klassisch Manuskripte für Buchverlage oder Werbetexte für Unternehmen und Agenturen sein. Es reicht nämlich in der Regel nicht aus, sich auf die Überprüfung von Rechtschreibung und Grammatik im Textverarbeitungsprogramm zu verlassen. Beim Lektorieren lese ich den Text mehrmals und konzentriere mich dabei jeweils auf eine der drei Ebenen: Inhalt, Sprache und Formales.

Inhalt

Die Autorin eines Textes ist Expertin auf ihrem Gebiet. Dennoch kontrolliere ich in einem Text stichprobenartig, ob alle gemachten Angaben korrekt sind. Beim inhaltlichen Lektorieren achte ich zum Beispiel darauf, ob der Inhalt logisch aufgebaut, sachlich richtig und (noch) aktuell ist (z. B. Aktualität: Eltern haben dann Anspruch auf Elterngeld Erziehungsgeld, wenn …). Ich prüfe auch, ob die verwendeten Zahlen und Fakten plausibel sind (z. B. 1,0 10 g Zimt).

Sprache und Stil

Bei der sprachlichen Überprüfung schaue ich auf die grammatikalische Richtigkeit (z.B. auf die Bezüge: Sie öffnete den Koffer und überraschte John ihn, indirekte Rede: Sie schrie, sie sei wäre einsam, korrekte Zeiten: Er hatte das Kind gewarnt, dass die Flamme der Kerze heiß ist war). Ich überprüfe auch den Stil (z.B. richtige Metapher: jemanden übers aufs Ohr hauen) und die Einhaltung fester Redewendungen (z.B. richtige Kollokation: Sie fällte fasste die Entscheidung, Anglizismen: geboren im Jahr in 1986).

Da es sich bei der sprachlichen Beurteilung von Texten oftmals um eher subjektive Kriterien handelt, gehe ich hier besonders behutsam vor.

Formales

Unter Formales fallen einheitliche Schreibweisen (z.B. Phantasie und fantasievoll), Begriffe und Abkürzungen. Wenn verschiedene Varianten nebeneinander bestehen, ist nicht die Schreibweise des Begriffs im Sinne der Rechtschreibung falsch. Hier gilt: Wenn man sich zu Beginn eines Textes für eine bestimmte Schreibweise entschieden hat, sollte man dabei bleiben.

Und was bleibt noch fürs Korrektorat?

Die Korrektorin übernimmt beim Prüfen eines Textes die Arbeitsschritte, die den meisten beim Stichwort Lektorat zuallererst einfallen. Hier geht es um Rechtschreibung (z. B. Orthografie Ortografie), Zeichensetzung („Punkt, Punkt, Komma, Strich …“) und Silbentrennung.

Was genau die Lektorin prüfen und korrigieren soll, sollte vor Arbeitsbeginn mit dem Auftraggeber geklärt werden. Häufig wird (ich vermute aus Unwissenheit) das Korrektorat mit dem Lektorat gleichgesetzt, es ist tatsächlich aber nur ein Teilaspekt des Lektorats. In meinem Fall beinhaltet jedes Lektorat auch gleichzeitig ein Korrektorat.

„Das wusste ich ja alles noch gar nicht … Klingt auf jeden Fall sehr interessant, was du da machst. Da hast du bestimmt sehr viel Abwechslung.“ – „Stimmt. Das ist auch einer der Gründe, warum mir meine Arbeit so viel Spaß macht!“

[Diesen Beitrag habe ich ursprünglich 2014 im Rahmen einer Blogwichtelaktion als Gastbeitrag für das Blog einer Kollegin aus dem Netzwerk wortstarker Frauen geschrieben und veröffentlicht. Dieses Blog wurde zwischenzeitlich vom Netz genommen.]

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Schlagworte: Aufgaben, Fehler, Korrektorat, Lektorat, Lektorin, Redigieren, Sprache, Stil
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https://die-orthograefin.de/wp-content/uploads/2017/03/kroenchen_rot.jpg 476 476 Katja Rosenbohm https://die-orthograefin.de/wp-content/uploads/2017/02/lektorat-stuttgart-text-stuttgart-die-orthograefin-fellbach.png Katja Rosenbohm2016-01-11 11:07:252021-03-20 18:39:31Den Rotstift immer griffbereit
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