Workflow oder Arbeitsablauf?

Kann ich eine meiner Blogkategorien „Workflow“ nennen oder soll ich stattdessen den deutschen Begriff „Arbeitsabläufe“ verwenden? Diese Frage stellte sich mir kürzlich beim Relaunch meiner Website. Das Schöne als Orthogräfin ist: Ich kann eine Expertin aus meinem Hofstaat (hier: Netzwerk) um ihre Meinung bitten. Das habe ich getan und meine Kollegin Andrea Görsch vom Wortladen um eine Antwort auf diese Frage gebeten. Das meint sie dazu …


Workflow: darf sie oder darf sie nicht?

Manchen Menschen stellt sich diese Frage erst gar nicht. Da Katja und ich jedoch zur Zunft der sprachlichen Erbsenzählerinnen gehören, drehen wir jedes Wort dreimal um und legen es danach noch auf die Goldwaage. Wir sind immer auf der Suche nach dem perfekten Wort. Wohl wissend, dass perfekt für jeden etwas anderes bedeutet.

Auf dem Foto ist das Wort „Arbeitsablauf“ zu sehen, das mehr Punkte als das Wort Workflow ergibt.

Bringt mehr Punkte als Workflow

Zurück zur Frage: Warum sollte eine Blogkategorie nicht Workflow heißen dürfen? Weil Anglizismen in unserem Job Beruf kein gutes Ansehen haben. Sie sind die Knechte der deutschen Sprache. Steht ein gleichwertiges deutsches Wort parat, greifen wir selbstredend darauf zurück und ersetzen den Knecht durch einen Ritter. Deshalb kann es für die Orthogräfin pikant sein, das Wort Workflow zu benutzen.

Abwicklung arbeitsteiliger …

Andererseits achten wir Erbsenzählerinnen auch auf das Umfeld, in dem sich das perfekte Wort bewegt, Stichwort Zielgruppe. Auf der Fachtagung unseres Verbandes würde ich mich hüten, das Wort Workflow zu benutzen – nichts für ungut, werte Kolleginnen und Kollegen. Würde ich aber stattdessen wie der Duden von der

„Abwicklung arbeitsteiliger Vorgänge bzw. Geschäftsprozesse in Unternehmen und Behörden mit dem Ziel größtmöglicher Effizienz“

sprechen? Das bezweifle ich. Wahrscheinlich würde ich auf den Begriff Arbeitsablauf zurückgreifen. Obwohl er mit seinen vier Silben ungleich behäbiger ist, ihm das gewinnende Fließen fehlt und er laut Duden eigentlich der EDV vorbehalten ist.

Was spricht für den Workflow?

Einiges. Weswegen ich der Orthogräfin auch zur Blogkategorie „Workflow mit Krönchen“ geraten habe:

  • Die Orthogräfin textet und lektoriert im Bereich Unternehmenskommunikation, und im Management ist das Wort längst angekommen.
  • Zudem steht der Begriff im Duden. Das Wort ist eingedeutscht und kann im passenden Kontext benutzt werden.
  • Der Zusatz „mit Krönchen“ klingt wegen der o-Laute bei Workflow stimmig. Dagegen kommt der a-lastige Arbeitsablauf nicht an.
  • Der englische Ausdruck sagt (für mich) mehr aus als der deutsche Arbeitsablauf. „Flow“ weist (für mich) zudem in eine positive Richtung.

Das alles sagte ich der Orthogräfin und freue mich nun mit ihr über den gelungenen Relaunch, der ebenfalls im Duden steht, und über die schönen Blogkategorien. An meiner Meinung änderten übrigens auch die einundzwanzig Punkte nichts, die es bei Scrabble für den Arbeitsablauf geben würde. Zumal es für den englischsprachigen Bruder ebenfalls einundzwanzig Punkte geben würde, wenn im Spiel ein zweites W vorhanden wäre …


Zur Autorin:

Andrea Görsch alias Wortladen

Andrea Görsch alias Wortladen ist seit 2009 freie Texterin und Werbelektorin. Sie liebt grünen Tee, braucht Orange um sich und mag sich ein Leben ohne Buchstaben überhaupt nicht vorstellen.

1 Antwort

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  1. […] Da einige meiner Unternehmenskunden ganzjährig ein Werbelektorat benötigen, habe ich auch einen Workflow für die Zeit im Jahr, in der mich eine Kollegin bei Kunden vertritt. Auch hier gilt: Gute […]

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